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Milchvieh

 
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Neuer Schwung mit Alpakas, Schule am Bauernhof und Auszeithof

Exkursionsbetrieb

BETRIEB LIEBMINGER

Als die Eltern in Pension gingen, wollten die Jungen die Landwirtschaft eigentlich einstellen. Doch als die drei Kinder zur Welt kamen, wurde ein Arbeitsplatz daheim am Wieserhof wieder interessant. So kam es ab dem Jahr 2013 schrittweise zur Umstellung vom Milchviehbetrieb auf Alpaka-Haltung, Hofladen, Schule am Bauernhof und Green Care Auszeithof.

 

Betrieb vor der Neuausrichtung

Vor der Umstellung wurden durchschnittlich 15 Milchkühe und 20 Jungrinder gehalten. Außerdem gab es Schweine und Hühner für die Eigenversorgung. Die Milch wurde an die Molkerei geliefert, die Zuchtrinder auf Versteigerungen verkauft. So trugen die Milchwirtschaft und der Zuchtrinderverkauf inkl. Förderungen zu ca. 70 % zum Haushaltseinkommen bei, der Rest stammte aus der Forstwirtschaft. Am Betrieb waren zwei Personen im Vollerwerb tätig.

 

Schritt für Schritt neu strukturiert

Der Pensionsantritt der Eltern verlangte am Betrieb Liebminger einen Richtungswechsel. In der Milchviehhaltung sahen die jungen Hofübernehmer keine Option für ihre Zukunft. Nach der Geburt der drei Kinder konnte Heidi Liebminger ihren ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben. Daher wurde die Schaffung eines Arbeitsplatzes am Betrieb zum Thema.

Wohlüberlegt zur richtigen Entscheidung

Vor der Umstrukturierung wurden unzählige Gespräche innerhalb der Familie geführt. Von außen wurde das Fachwissen von Vertretern diverser Kammern und vom Steuerberater eingeholt. Die zukünftige Betriebsleiterin besuchte mehrere Fortbildungen zum Thema Alpakas und LFI-Zertifikatslehrgänge im Bereich „Schule am Bauernhof“ und „Green Care Auszeithof“.

Eigene Erfahrungen sammeln

Der Aufbau des neu ausgerichteten Betriebes kostete viel Energie; es gab keine vorhandenen Strukturen im Bereich „Marketing und Verkauf“ und die geplanten Betriebszweige waren Nischenangebote. Dadurch fehlte die Möglichkeit, bei anderen Betrieben Wesentliches abzuschauen. Fragen wie: „Wie komme ich zu Kunden? Wie komme ich zu Gruppen, die meine Angebote in Anspruch nehmen wollen? Wie bestücke ich den Hofladen, wenn ich nicht weiß, wie viele Personen einkaufen kommen?“ mussten durch Learning by Doing beantwortet werden.

Die größte Herausforderung war ein gutes Marketingkonzept. Es verlangte viel Einsatz, die eigenen Angebote zu bewerben und bei den zukünftigen Konsument:innen bekannt zu machen. Eine weitere Herausforderung war die Alpakazucht. Hier musste fachliches Wissen von Grund auf in Kursen und Ausbildungen erworben werden. Die Preisgestaltung war und ist immer noch eine Aufgabe, bei der öfter Zweifel aufkommen.

Vorteile nutzen

Die verhältnismäßig große Flexibilität der Arbeit neben den Kindern wurde als Chance gesehen. Die neuen Betriebszweige Alpakazucht, Schule am Bauernhof und Green Care Auszeithof stellen Nischenangebote dar, die generell eine eigene Preisgestaltung ermöglichen. Heidi Liebminger sieht einen großen Vorteil auch darin, dass sie die täglich anfallende Arbeit allein erledigen kann.

Kundinnen und Kunden aus der Region

Die Gegend rund um Judenburg ist keine Tourismusregion. Die Kundinnen und Kunden kommen daher zum größten Teil aus der näheren Umgebung und viele haben sich zu richtigen Stammkunden entwickelt, die die Produkte und Kurse zu schätzen wissen.

 

Aktuelle Betriebsführung

Die Familie Liebminger hat nach und nach mehrere Betriebszweige aufgebaut:

Alpakas und Hofladen

Der Wieserhof ist heute ein Alpakazuchtbetrieb. Es stehen durchschnittlich 25 Zuchttiere am Betrieb. Die Tiere werden an andere Alpakazüchter verkauft. Die Kunden erhalten vor und nach dem Kauf eine umfassende Beratung. Außerdem wird ein Deckservice mit Hengsten verschiedenster Genetik angeboten. Im neu eingerichteten Hofladen werden Alpakawoll- und Strickwaren verkauft. Die Alpaka­Produkte werden vor allem im Herbst und rund um Weihnachten auch auf verschiedenen Märkten angeboten.

Schule am Bauernhof und Green Care Auszeithof

Im Rahmen von „Schule am Bauernhof“ bietet Heidi Liebminger unterschiedliche zertifizierte Programme für Schulklassen an. Auch das „Green Care Auszeithof“-Angebot ist vielfältig. Hier werden Kurse im Kreativbereich, Seminare zur Selbstwahrnehmung, Alpakawanderungen, Kindergeburtstage, Spinn­ und Filzkurse usw. angeboten. Neben den Alpakas gibt es derzeit noch zehn bis zwölf Kalbinnen am Betrieb, einige Hühner liefern Eier für den Eigenverbrauch. Die Arbeit am Betrieb wird großteils von Heidi Liebminger erledigt. Sie wird dabei von den Schwiegereltern unterstützt. Eine zusätzlich geringfügig angestellte Arbeitskraft hilft Heidi bei den Kursen für Schulklassen und führt die Filz­ und Spinnkurse durch.

 

Arbeitszeit

Durch die Umstellung auf die neuen Betriebszweige hat sich auch der Arbeitsaufwand verändert. Am ehemaligen Milchviehbetrieb waren zwei Personen in Vollzeit tätig. Nun arbeitet Heidi Liebminger Vollzeit und ihre Schwiegereltern jeweils ca. 10 Wochenstunden am Betrieb. Zusätzlich gibt es eine geringfügig mithelfende Arbeitskraft.

 

Grafik Arbeitszeit

 

Einkommen

Vor der Betriebsveränderung wurde das Einkommen ausschließlich aus der Milchviehhaltung bzw. der Forstwirtschaft generiert. Durch die Neuausrichtung kommt jetzt die Hälfte des Einkommens aus der Landwirtschaft, die andere Hälfte wird außerbetrieblich erwirtschaftet. Das landwirtschaftliche Einkommen basiert großteils auf den Alpakas, gefolgt von der Forstwirtschaft. Die Kalbinnen machen dagegen einen vernachlässigbaren Anteil aus.

 

Grafik Einkommen

 

Investitionen und arbeitswirtschaftliche Organisation

  • Vorhandene Gebäude und Maschinen, wie Traktor, Heuerntemaschinen und Forstmaschinen, können weiter genutzt werden.
  • Ein leerstehendes Gebäude wurde als Hofladen und für Gruppentreffen adaptiert.
  • Der Milchviehstall wurde für die Alpakahaltung umgebaut: Kosten € 10.000
  • Ankauf Alpakas: Kosten € 75.000
  • Sonstige Aufwände für Weiterbildung und Betriebsbesichtigungen

 

Blick in die Zukunft

Die Kalbinnenaufzucht soll möglichst rasch auslaufen. Die freigewordenen Kapazitäten werden in die Alpakazucht, den Hofladen und den Verkauf auf Märkten investiert. Geplant ist auch, die Angebote im Bereich „Schule am Bauernhof“ und „Green Care Auszeithof“ weiter auszubauen.

Tipp von Betrieb zu Betrieb

„Traut euch drüber, wenn es eine Herzensidee von euch ist – aber macht euch bewusst, dass ein langer Atem notwendig ist, um etwas gut und vor allem auch langfristig durchzuführen!“ 

 

Steiermark | St. Peter ob Judenburg

Biobetrieb

www.wieserhof.at

870 m Seehöhe

Ø Niederschlag/Jahr: 650 mm 

13 ha Grünland

62 ha Wald

 

vorher

nachher

15 Milchkühe

20 Jungrinder

25 Alpakas

10 bis 12 Kalbinnen

 

 

Forstwirtschaft

Hofladen

Schule am Bauernhof

Green Care Auszeithof

Forstwirtschaft

 

Ausbildungen im Rahmen der Betriebsveränderung

diverse Alpakakurse
Zertifikatslehrgang Schule am Bauernhof
Zertifikatslehrgang Auszeithof
 

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus